lauf-stark fürs leben 

"nebenan ist überall" - Spenden-Laufprojekt

Tag 9 oder: "Gemeinsam läuft es sich gut..."

Tag 9 begann mit Zugfahrt nach Köln – den Berufsverkehr muss niemand haben – und dem vergeblichen Bemühungen, sehr nette Reinigunskräfte davon zu überzeugen, dass Fianna als Assistenzhündin in die Toiletten mit dürfe. Infos über Assistenzhunde sind halt tatsächlich nicht überall präsent.

Heute gabs wieder eine Doppeletappe (was für mich immer sehr anstrengend ist) – Leverkusen und Solingen – und wieder mit super netter Begleitung. Dagmar ist die 38km mitgelaufen und Cony musste leider die Laufschuhe gegen das Fahrrad tauschen – wobei sie, glaub ich, trotzdem fröhlich dabei war ;-) .

Ich war froh, zu laufen – die Aufregung von dem tollen Event in Köln ein wenig raus powern. Das hat einfach gut getan, Anspannung und Chaos haben sich etwas gelegt. Und die ersten 8km bis zum Läufertreffpunkt waren schnell vorbei – bis zur Fußgängerzone in Leverkusen waren es ja nur knapp 15 km. Der Frauennotruf Leverkusen hat netterweise gelassen ertragen, dass sie nur Zwischenstation sein konnten – der Laufplan ließ es einfach nicht anders zu.

Trotzdem sind immerhin noch 2 weitere LäuferInnen mitgekommen – und voller Elan sogar bis zur „Endstation“ in der Fußgängerzone weitergelaufen. Dort hat ein nettes Empfangskomitee gewartet – u.a. mit Traudel, der Frau, die den Verein in Leverkusen vor 30 Jahren (!!!) mit gegründet hat. Die Pause haben wir schön mit gemütlichem Erzählen verbracht – und ich mit einer meiner blöden Migräneattacken, die auch immer mit innen verbunden sind. Aber ich habe eine sehr entlastende Einstellung mitgenommen: Dass Menschen nicht unbedingt tief ins Gespräch kommen müssen oder bewusst Informationen aufnehmen, sondern dass es allein schon seinen Wert hat, wenn sie im Vorübergehen sehen: Es gibt eine Frauenberatungsstelle, die Ansprechpartner sein kann. Zur rechten Zeit wird es ihnen dann einfallen. Diese Einstellung nehm ich mir mit – sie ist sehr wahr und nimmt Druck. 

Um 13:30 Uhr ging es weiter – die Sonne wieder ziemlich brennend. Wir haben zuerst noch das schöne bergische Land vermisst, aber irgendwann tauchte es dann doch auf. Die arme Cony hat morgen Muskelkater, weil sie ihr Fahrrad über Stock und Stein bergaufwärts schieben musste… Der Tag war einer von denen, wo ich mich wundere, wie viel Nähe einfach so zwischen „fremden Menschen“ entstehen kann. Ganz plötzlich ist man sich eben nicht mehr fremd und teilt diese gemeinsamen Stunden und manch gute Worte. Ein Geschenk…

Abenteuerlich wurde es auch mal wieder – wir lieben anscheinend bei „lauf-stark“ alte Trampelpfade, die kaum noch erkennbar sind. Zum Glück fandens Dagmar und Cony genauso lustig wie ich ;-) . Und wir haben uns als Libellenretterinnen betätigt – ich bin nicht die einzige Schecken-und-Co.-Retterin J.

In Solingen dann die Überraschung: Es waren ein gutes Dutzend LäuferInnen und RadlerInnen am Treffpunkt, die uns begleiten wollten! Ich war schwer begeistert, und die Laufstrecken gemeinsam sind immer sehr eindrücklich, mit ganz viel netten Gesprächen. Fußgänger waren dann noch einmal um die 15 da, und gemeinsam gings weiter zur Beratungsstelle. Dort empfingen uns nicht nur noch mehr Leute, sondern auch der Bürgermeister mit sehr netten Worten. Es war spürbar, dass ihm die Zahlen, wie viele Mädchen von sexualisierter Gewalt betroffen sind, nahe gingen. Dieses emotionale Betroffensein zu spüren, das tut sehr gut.


Ein Abend, von dem ich selbst reich beschenkt weggehe – mit schönen Begegnungen, freundlichen und zugewandten Worten und Gesten, einem mich sehr bewegenden Brief – und einem kleinen Elefanten, der ein bisschen dicke Haut mitbringen soll. Wir haben also neben Hummelchen und Lara den nächsten „lauf-stark“ Mitstreiter, denn ein bisschen dickere Haut kann ich immer gut brauchen. Die Geste war einfach nur so süß…

Und so ist das der zweite Punkt, der heute eine Rolle gespielt hat, der: Manche Toughheit verbirgt nur die Dünnhäutigkeit, und es ist so wohltuend, wenn andere Menschen das erkennen.

Insofern einen ganz ganz lieben Dank an alle lieben Menschen heute.