lauf-stark fürs leben 

"nebenan ist überall" - Spenden-Laufprojekt

Tag 8 oder: "Manches ist nicht nur schwarz oder weiß..."


Was für ein Tag. Köln – eine der Städte, in denen der komplette Arbeitskreis von Frauenvereinigungen dabei war.

Läuferisch die kleinste Etappe – mit 21km ziemlich erholsam. Allerdings war es merkwürdig, aus dem Tagesablauf der letzten Tage auszusteigen, und ich bin froh, dass wir nirgendwo einen Pausetag eingebaut haben. Es ist besser, im Rhythmus zu bleiben.

3 Begleiterinnen hatte ich heute von Kerpen-Horrem aus: Tanja und Nicole von XTrail - XTrail hat mich im Vorfeld mit Athletiktraining unterstützt. Davon zehre ich momentan unglaublich, und es hat einfach irre irre gut getan und Spaß gemacht, die vertrauten Menschen zu sehen. XTrail ist deswegen so toll, weil die Trainerinnen einfach fachlich unglaublich kompetent sind, viele SportlerInnen auch echt ambitioniert – aber Spaß, Gemeinschaft und Gesundheit einfach immer im Vordergrund stehen. Als vierte im Bunde hatte Ulli sich extra auf den Weg nach Kerpen gemacht - sogar von einer der umliegenden Städte aus – wow.

Nach einem gemütlichen Lauf kamen wir am Marathontor in Köln an – und dort waren die Vorbereitungen schon in vollem Gange. Auch die Polizei war da – sie würde für uns eine Spur der Haupteingangsstraße nach Köln sperren – zur Hauptverkehrszeit… IRRE. Aber so ist Köln. (Der "Fotograf" war leider Teil des Konvois, deswegen gibt es erst einmal nur dieses eine Bild. J)

Eine Polizeieskorte mit 2 Begleitfahrzeugen, 2 Fahrräder und 1 Motorrad- wow. Mit ca. 20 LäuferInnen und RadlerInnen sind wir so über eine Fahrspur zum Fußgängertreffpunkt eskortiert worden, und von da aus mit noch einmal ca. 20 Leuten mehr zum Bahnhofvorplatz. Quer durch Fußgängerzone und Co. Ich kann nur sagen – die Aufmerksamkeit war uns sicher– was haben die Leute geguckt. Und es hatte auch den Effekt, dass tatsächlich viele Leute in die Flyer hineingeschaut haben, die Irmgard vom Notruf Köln allen in die Hand gedrückt hat…

Was für ein Event – und trotz des ernsten Themas mit fröhlicher Stimmung – Köln halt...

Am Bahnhofvorplatz hat der Arbeitskreis eine Ausstellung mit Schaufensterpuppen aufgebaut. Ein richtig guter Blickfang: Es sind einige Leute stehen geblieben, um sie sich anzusehen.Ich hatte dann die Ehre, durch das Mikrofon eines Polizeiwagens interviewt zu werden – hat „man“ auch nicht alle Tage... Die Polizei hat das spontant angeboten, als es Probleme mit Strom und Co. gab - absolut nett, ganz vielen Dank noch einmal dafür. So war es denn auch insgesamt wirklich beeindruckend, was die Kölner auf die Beine gestellt haben – und wieder ein ganz andere Eindruck als die der vorangegangenen Tage. Jede Stadt prägt „ihren“ Tag auf völlig unterschiedliche Art – und jede auf ihre Weise gut. Ganz lieben Dank nach Köln!

Das war die äußere Seite. Ich will euch aber heute die innere auch nicht verschweigen. Für mich war es heute der bisher heftigste Tag von lauf-stark, und es gibt einiges zu knabbern hinterher. Auch wenn ich immer souverän auftrete – eine Gabe, für die ich sehr dankbar bin – fällt mir Öffentlichkeit eh wirklich schwer. Fast immer zermartere ich mir hinterher Kopf und Herz. Ich habe mich bei lauf-stark bewusst dafür entschieden, das in Kauf zu nehmen, weil ich es wichtig finde – und letztendlich der Mut auch mir gut tut. Er gibt Stärke und Kraft.

Aber heut ist es heftig – es ist auch mir nicht ohne, mitten auf dem „Kölner Marktplatz“ lauthals zu verkünden, dass ich selbst Betroffene von sexualisierter Gewalt bin. Zu erklären, was rituelle Gewalt ist. Die persönlichen Aspekte (in meinen Grenzen) nicht zu verschweigen, denn sie machen lauf-stark aus.

Auch ich kämpfe dann mit den Auswirkungen, der Angst, dem Gefühl: Was denken die jetzt von mir? Zumal ich anfangs echt nicht sortiert war, und mit manchem gefühlt das Gegenteil ausgedrückt hab als was ich wollte.

Oh mensch. Minutiöses Durchgehen des Interviews.

Nu ja – so isses jetzt. Es war meine Entscheidung, in der Zeit von „lauf-stark“ öffentlich zu werden, und mir ihr bin ich grundsätzlich auch im Reinen. Dann gibt es halt auch schwierige Konsequenzen davon. Wäre auf meinem Hintergrund ganz ehrlich auch verwunderlich, wenn nicht…

Insofern: Es war ein sehr sehr aufregender Tag – in alle Richtungen. Und ich verabschiede mich jetzt in eine Runde „an-den-Ereignissen-Knabbern“ – und genauso auch "an-meinen-Grenzen-und-dem-nicht-perfekt-sein-knabbern"….