lauf-stark fürs leben 

"nebenan ist überall" - Spenden-Laufprojekt

Tag 14 oder: "Morgen ist ein neuer Tag..."


Langsam merke ich doch die Belastung. Nicht, dass es Probleme geben würde – gestern hatte ich zwar eine minimale Flüssigkeitsansammlung in der Kniekehle, das war heut aber schon wieder besser. Während des Laufens ist alles okay – heute war zwar eine Etappe mit vielen Straßen, aber alles lief super. 

Ich merke die Erschöpfung eher abends – mein Hirn scheint dann irgendwie ein bisschen matsche, und ich habe das Gefühl, ich bringe keinen geraden Satz mehr heraus. Das läuft mir hinterher immer sehr nach, ich habe echt Angst, ich könnte unfreundlich zu jemandem gewesen sein, wenn wir bei den Frauenberatungsstellen ankommen. Dauernd sage ich etwas, das ich selbst total missverständlich finde.

Heute sind wir in Münster angekommen. Es war ein merkwürdiges Gefühl: Als wir vor einem halben Jahr auf der Autobahn vorbeigefahren sind, hab ich noch ziemlich mulmig zu Günter gesagt: „Oh wei, will ich tasächlich die ganze Strecke laufen???“ Und Münster war für mich eine der nördlichen Städte – also wenn ich die laufend erreiche, ist es schon mal gut ;-). 

Jetzt sind wir also da. Merkwürdig. Nachdem ich auf der Etappe schon eine Frau verpasst hatte – sorry, sie hat uns dann Pause machend am Aasee aufgegabelt - hat der Frauennotruf uns einen sehr sehr herzlichen Empfang bereitet. Um den Aasee sind echt viele LäuferInnen unterwegs – und wir sind samt Banner sicherlich aufgefallen. Auch wenn wir niemanden zum spontanen Begleiten gewinnen konnten.

Am Fußgängertreffpunkt hatte der Frauennotruf einen Stand aufgebaut und gemeinsam ging es dann zu Fuß weiter zum Haus des Frauennotrufes. Ca. 15 Frauen waren wir – eine Freundin war sogar aus Düsseldorf angereist und einer anderen konnten wir direkt ganz aktuell zum Geburtstag gratulieren J. Das nenne ich doch mal Engagement! 

Auch Brigitte Hahn, Sektenbeauftragte des Bistums Münster, war da und hält gerade noch einen Vortrag zum Thema „Rituelle Gewalt“. Ich war echt überrascht und finde es wirklich großartig, dass damit das Thema noch einmal anders aufgegriffen wird. 

Ich selbst habe mich entschieden, den Vortrag nicht zu hören. Ganz sicher würde er triggern, und ich würde das momentan schwer wegstecken. 

Ich bin irgendwie eh gerad mega dünnhäutig geworden – das meinte ich damit, dass ich die körperliche Belastung merke. Normalerweise können wir mit Triggern i.d.R. ganz gut umgehen, aber heut hat eben dich etwas innen was angetickt. Mmmmh. 

Ich muss mir selbst sagen – mag sein, dass die Welt keine Notiz nimmt; dass es auch mit ritueller Gewalt immer so weiter gehen wird. Mag sein, dass immer weiter Menschen furchtbare Gewalt angetan wird auch hierzulande und Erwachsene darum ringen, zu leben. Das alles mag sein – aber ich versuche mir zu sagen, dass es trotzdem wichtig ist, dort etwas zu tun, wo wir stehen. Und in dem Maße wie wir können.

Ich fühl mich gerad sehr klein und unbedeutend mit der ganzen Aktion.

Na ja – morgen ist ein neuer Tag ;-) .