lauf-stark fürs leben 

"nebenan ist überall" - Spenden-Laufprojekt

Tag 13 oder: "Es lebe der Galgenhumor - und manchmal der Trotz..."


Also, von außen und „ganz objektiv“ (gibt es das überhaupt?) betrachtet, war heute ein echt besch….eidener Tag. 

Nach wirklich guten Gesprächen – herzlichen Dank dafür <3 – sind wir heute morgen etwas später aufgebrochen – wir hatten heute ja Zeit, weil keine Ankunft in einer Frauenberatungsstelle bevorstand.

Uff – Sonntagmorgen in Dortmund waren in meiner Wahrnehmung die Straßen nur von frühschoppenden und nicht sehr vertrauenerweckenden Männern bevölkert. Ich bin froh, dass wir für den Fall, dass mir Etappen gruselig sind, vorab schon Lösungen gesucht hatten, und so habe ich heute das erste Mal mit dem Handy eine Standleitung zu Günter gehalten. Es hat gut getan, immer mal wieder die Geräusche aus dem Auto zu hören… Dazu muss ich sagen, dass bei mir seit einigen Jahren keine Bedrohung mehr da ist – nur die Angst bleibt halt. Sonst hätten wir lauf-stark auch nicht so organisieren können.

Heute hat mich zwischendrin dann mal wieder der Trotz gepackt – ich empfinde Wut und Trotz inzwischen als irre hilfreiche und sehr starke Kräfte. Früher war ihre destruktive Kraft immer mit aller Wucht gegen mich selbst gerichtet, und inzwischen entdecke ich, welche Kraftquelle darin liegen kann, wenn sich diese Gefühle dorthin richten, wo sie eigentlich hin gehören.

Heut war dann der Gedanke: „Ich lasse mir doch nicht mehr von irgendwelchen Gestalten (der Vergangenheit) diktieren, was ich tue oder lasse. Wer bin ich, dass ich ihnen bzw. manchen Ängsten so hörig sein soll und mich von ihnen bestimmen lasse… Sollen sie doch sehen: Ich bin heute frei…“

Wie gesagt – nichtsdestotrotz haben wir vorher überlegt, wie wir für Sicherheit innen und außen sorgen können – und ich muss mich nach solchen Tagen auch mehr um innen kümmern – solche Zeiten kosten Kraft und es geht auch nie endlos auf diese Art weiter… 

Na ja, jedenfalls: Das Gruseln war der anfängliche Part – dann kam erst ein Gewitter, das wir zum Glück gerade am Treffpunkt mit Günter gemütlich im Auto sitzend über uns hinweg ziehen lassen konnten.

Ich Dödel hab da noch geschrieben: „Regen macht mir ja nichts…“ – nun, das schien Petrus oder wer auch immer wohl auf die Probe stellen zu wollen. Ich meinte da eigentlich Nieselregen – was kam, waren 2 Stunden mit ununterbrochenen Sturzbächen vom Himmel, einem GPS, das mit der Wolkendecke und dem Wald nicht klar kam, zugewachsene Wege (ich bin stellenweise einfach quer durch den Wald durchs Gestrüpp gekrochen) und co. Ich war heilfroh, dass ich allein war, weil ich mir sonst echt Sorgen gemacht hätte, wie ich andere Leute bei Laune halten kann.

Mich rettet in solchen Situationen immer mein Galgenhumor – ich liebe das. Als ich mitten in der Pampa im Wald herumgekrochen bin, das Wasser in den Schuhen quatschte, alles an mir runterlief und ich dank verirrtem GPS echt im Kreis gerannt war, bin ich irgendwann stehen geblieben und hab nur noch gelacht. Was soll das – ich will nichts und niemand – auch dem Regen nicht ;-) –die Macht geben, dass ich das Laufen aufgeb oder nur noch fertig bin. So – tschacka… Und von da an hat es einfach nur grotten Spaß gemacht… Bei Brennesseln war der Gedanke da: „Super, regt schließlich die Durchblutung an… Und zwischendrin hab ich immer einer inneren Stimme gelauscht, die die ganze Zeit „I´m singin´in the rain“ gesungen hat – müsst ihr mal ausprobieren, gibt einen super Laufschritt vor J… Am Ende hat der Tag sogar ein so hammer gutes Gefühl hinterlassen. Ein Gefühl von Kraft und Sich-nicht-unterkriegen lassen.

Manchmal denk ich, ich und andere Betroffene gehen nicht von ungefähr oft an Grenzen. Früher hab ich die manches Mal eher überschritten, heute kenne ich sie besser. Aber sie auszutesten gibt ein Gefühl von: Ich lebe noch – und ich schaffe es, grenzwertige Situationen zu meistern. Ich habe die Kontrolle – ich kann die Situation auch verlassen – aber ich möchte mich ihr stellen und ich schaffe das…“

Jetzt ist es eine heiße Dusche später...

Und: Die HALBZEIT ist geschafft!!!  504,29 km !!! TSCHACKA !!!